Experience to the Peak

Unvergessliche Erlebnisse – Großglockner (Okt. 2008)

Der von Stress und Burn-Out geplagten Industriemanager Bernd S. brauchte ein neues Ziel, eine Abwechslung des Alltags und eine neue sportliche Herausforderung. Das gemeinsam erarbeitete Zeil lautete „Den höchsten Berg Österreichs erklimmen – Großglockner -. Nach einem zielgerichteten dreimonatigen Training stand die Besteigung an.
Diese sollte erreichen, dass durch die Verbindung von großer aber bewältigbarer Kraftanstrengung und intensivstem Naturerleben Lebensfreude und längst verschüttet geglaubte urvitale Fähigkeiten wiederentdeckt werden, sowie das Selbstwertgefühl eine neue ungeahnte Dimension an Substanz und Tiefe gewinnt
Gut ausgerüstet aber zaghaft beginnt die Tour am frühen Samstagnachmittag.. Jetzt geht es nicht mehr um Theorie, sondern um Körper, Anstren¬gung, Naturgewalt und nicht zuletzt um Vertrauen zum Trainer.
Die ersten Schritte - so professionell das Outfit auch aussehen mag - waren tastend, unsicher und geprägt von einiger Ängstlichkeit. Nach zweistündigem Aufstieg fängt das Wetter an sich zu verändern. Der Winter bricht herein. Eis und Schnee schießen uns ins Gesicht. Hinter uns dunkle Wolken. Der Weg wird unwegsam und uneinnehmbar. Wir versinken im Tiefschnee, es gibt kein Zurück mehr. Die Natur greift an, Anstrengung und Kampf steht in unsere Gesichter geschrieben: „Du spürst plötzlich deinen Körper und die Kraft, die Du schon verloren glaubtest.“ Wichtiges Element dieses Bestehens ist die wachsende Verbundenheit zwischen Bernd S. und mir, die der Situation letztlich den notwendigen Halt gibt und einen Absturz ins Leere als unmöglich erscheinen lässt.
Am Ende des Aufstiegs zur Stüdlhütte (2801 m) standen bei den Gefährten (denn das waren wir inzwischen geworden) nur noch Gefühle wie Freude, Erleichterung, Sieg und letztlich Gemeinsamkeit.
Als ich Bernd S. zum ersten Mal das nebenstehende Foto zeigte, konnte er kaum glauben, dass er es war, der in solch einer Situation zum befreiten Lachen fähig war. Er habe so etwas in den letzten 20 Jahren bei sich selbst nicht mehr erlebt.
Was hier zu sehen ist, ist nicht die Bezwingung des K2 in Tibet. Was Bernd S. hier erlebte, war jedenfalls die Bezwin¬gung seines ganz persönlichen K2.

Nach dem Aufstieg geht es zur Übernachtung in die Hütte. Im wohl gewärmten Gastraum konnte ich Bernd S. wieder den Spaß daran vermitteln, wie bereichernd es ist, zwar mit fremden aber doch gleichgesinnten Bergtouristen spon¬tan in gute Gespräche zu kommen, sich auszutauschen - mit anderen Worten - Gefühle zuzulassen. Wir stellten fest, dass durch den plötzlichen Wintereinbruch, der uns beim Aufstieg überrascht hat, eine Gipfelbezwingung unmöglich erscheint. Da wir das von mir ange¬strebte Ziel – das Limit, die Grenze der körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu erreichen - schon beim Aufstieg erreicht hatten, beschlossen wir, den Abstieg ins Auge zu fassen und eine 4-stündige Schneeschuhwanderung ins Tal zu absolvieren.

Majestätisch unter Sonnenstrahlen las¬sen wir den Großglockner zurück. Auf eindrucksvolle Art machte er den Tourgefährten klar, wie klar, wahr und ewig die Natur dasteht, in die wir uns vertrauensvoll eingebettet sehen dürfen!